Warum feiern wir gerade am
1. Januar Neujahr?
Das war nicht immer so. Papst Innozenz XII. legte im Jahre 1691 fest, dass der 1. Januar der Neujahrstag sei. Früher feierten Christen den Neujahrstag am 6. Januar, später am 25. Dezember. Heute noch heißt in den Alpen der 6. Januar "Großes" oder "Hohes Neujahr". Im römischen Kalender wurde der 1. Januar schon anno 46 v. Chr. offiziell zum Jahresbeginn erhoben. Neujahr, Jahresbeginn; gehört zu den Raunächten und bildet als Fest mit dem vorangegangenen Silvestertag eine Einheit. Anfangstermine wie Neujahr wurden als Orakel- und Lostage angesehen. Lostage, Bezeichnung für bestimmte Tage, die im Volksglauben eine besondere Bedeutung besitzen. Mit den Lostagen sind Wetterregeln und -sprüche verbunden. Man schrieb ihnen schicksalhafte, in die Zukunft weisende Bedeutung zu. Die Germanen feierten zur Wintersonnenwende das „Julfest“. Das germanische Jahr dauerte zwölf Vollmonde. Es war um elf bzw. zwölf Tage zu kurz. Damit es dennoch zum gleichen Zeitpunkt anfing, wurden die sogenannten Raunächte, zwischen dem 24. Dezember und 6. Januar eingeführt. In dieser Zeit stand nach germanischer Auffassung die Sonne still. Die alten Germanen feierten das neue Jahr ausgelassen und lautstark. Statt Raketen und Kracher benutzten sie Peitschen und Dreschflegel, um die bösen Geister zu vertreiben. In Deutschland beginnt das neue Jahr oft mit Feuerwerk, Böllern, Bleigießen und Mitternachtsgottesdiensten. Der Heidenlärm, den das Feuerwerk dann verursacht, gehört zu den Lärmbräuchen, die böse Geister verscheuchen und allgemeines Glück bringen soll. Die Zukunftsängste der Menschen werden somit übertönt.
Wer
Auskunft über das Wetter im neuen Jahr haben will, befragt das Zwiebelorakel.
In zwölf Zwiebelschalen, die für die zwölf Monate stehen, wird Salz gestreut.
Die Wetterlage eines Monats wird danach interpretiert, ob das Salz in der
jeweiligen Schale trocken oder nass wird. Äpfel hingegen gelten als ungeeignet,
da sie an die Vertreibung aus dem Paradies erinnern. Wie es mit der Liebe im
neuen Jahr bestellt ist, kann man herausfinden, indem man einen Schuh rückwärts
über die Schulter wirft. Zeigt die Schuhspitze zur Tür, so steht eine
glückliche Beziehung ins Haus. So durfte zwischen Weihnachten und Neujahr – den
12 heiligen Nächten - keine Wäsche zum Trocknen aufgehängt werden, sonst würde
man für einen Angehörigen das Totenhemd vorbereiten.
Vor allem wurde das neue Jahr von Kirchtürmen aus
angeblasen. Der Brauch des Neujahranblasens gehört genauso wie das
Aperschnalzen zu den sogenannten Lärm- und Weckbräuchen. Mit
dem Aperschnalzen sollten einst die guten Geister, der Frühling und vor allem
die Sonne wieder geweckt und Finsternis und Winter vertrieben werden.
"Viel Schnalzen bringt ein gutes Jahr", lautet demnach ein alter
Spruch.
Früher wurde das Neujahrswünschen von armen Leuten gewerbsmäßig betrieben. Sie zogen von Haus zu Haus, von Dorf zu Dorf, und sagten ihre Glückwünsche in Form eines Verses:
„Wir
setzen uns net nieder,
wir bleiben a net da,
wir wünschen nur zusammen
ein glückliches, neues Jahr.“
Für die Glückwünsche erhielten sie meistens kleine Geldgeschenke, Äpfel oder Plätzchen.
Mit dem Gedicht ‚s
Neujahrwünschn von Hanna
Walther mecht i allen Lesern
a gsunds Jahr
2010 winschn.
‚s Neujahrwünschn
I wünsch dir
net Reichtum,
net Geld
und net Ruhm,
i wünsch dir a Freid auf der Welt!
Dass d’ z’frien bist und froh,
dass ´s Lebn dir halt g’foillt.
I wünsch dir an Segn vo drobn.
I wünsch dir
a Platzerl,
grad sonnig und warm
und ebban no,
der di vosteht,
der wo auf di wart’t,
und der mit dir geht,
i moan halt
a g’müatlichs Dahoam.
I wünsch dir
für d’ Arbat
Humor und Gewinn,
i wünsch dir
a glückliche Hand,
für andre a Herz,
a Gmüat, an Vostand,
i wünsch halt dei’m Leben an Sinn!
Ingrid Stigler,
Brauchtumswartin im Isargau