Heiliger
Abend, Heilige Nacht.
Der Heilige Abend ist kein Feiertag: es gibt nichts
zu gedenken, nichts zu feiern. Aber als Vorabend des Festes der Geburt
Christi ist er zur Vorbereitung auf das Fest bestimmt. Heiliger Abend, Heilige
Nacht. Lange haben wir darauf gewartet. Vorfreude und Wartenkönnen, Türchen
öffnen und Kerzen anzünden, Strohsterne, die gebastelt und Platzerln, die
gebacken wurden. Mit Sorgfalt wurden Geschenke ausgesucht für Menschen, die wir
lieben, die uns nahe stehen. Schöne Karten wurden verschickt als kleiner Gruß
zum Fest in Verbundenheit oder mit Dank. In unserer modernen Zeit wird das oft
durch elektronische Post (E-Mail) erledigt. Sozusagen in letzter Minute können
diese Grüße verschickt werden. Das sind gute und wichtige Rituale in einer
Zeit, die Wurzeln und Geborgenheit sucht. Allerdings gab es sicher auch das:
Einkaufsstress, Weihnachtsfeiern, und Geschenke kaufen. Oder es gab vielleicht sogar
Meinungsverschiedenheiten oder Streit um den richtigen Christbaum.
Die
Wohnung und die Weihnacht gehören zusammen. In den meisten Familien ist die
Wohnung am Heiligen Abend weihnachtlich geschmückt. In ihr treffen sich Eltern
und Kinder, Großeltern und Freunde, um sich gemeinsam an der Geburt Jesu
Christi zu freuen, um miteinander zu singen und miteinander zu teilen, um
gemeinsam zu essen und einander zu erzählen. In vielen Familien wird der
Heilige Abend in einer festen Tradition gestaltet. So wie ihn Eltern und
Großeltern begangen haben, feiern ihn auch Kinder und Enkel.
Aber unter uns sind viele, denen ein solcher Ort fehlt. Weihnachten können wir nicht feiern, ohne auch an sie zu denken, an die Kirchenlosen wie an die Wohnungslosen. Einsame suchen Halt, Traurige Trost, Fragende Antwort, Hungernde Brot, Unterdrückte und Geschundene Gerechtigkeit. Sie sehnen sich nach einem Ort, an dem sie Gewissheit finden, Hoffnung schöpfen, in Frieden und ohne Angst leben können. Deshalb ist die Krippe ein so wichtiges Symbol. In keiner Kirche und in keiner Wohnung sollte sie in dieser Heiligen Nacht fehlen. Die Krippe steht unter dem Christbaum, dreht sich mit einer Weihnachtspyramide oder ist auf einem Fensterbild zu sehen. Mit dem Blick auf die Krippe wissen wir, was uns trägt: die Nähe Gottes.
Und so singen wir aus dem Weihnachtslied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“, das am Heilig Abend 1818 der Arnsdorfer Dorfschullehrer und Organist Franz Xaver Gruber und der Hilfspriester Joseph Mohr in der Kirche St. Nikolaus in Oberndorf bei Salzburg erstmals aufgeführt haben:
Stille Nacht! Heilige Nacht!
Hirten erst kundgemacht
Durch der Engel Halleluja!
Tönt es laut von fern und nah:
„Jesus der Retter ist da!“
„Jesus der Retter ist da!“
Ingrid
Stigler, Brauchtumswartin im Isargau