Fronleichnam oder der große Prangertag

war früher ein festlicher Tag im Dorf



Das Aufstellen der vier Altäre und das Schmückenmit kleinen Birkenbäumchen (Birkerln) und Blumen war einzelnen Familien anvertraut. Die Häuser wurden mit grünen Girlanden und roten Tüchern geschmückt. In der Früh des Fronleichnamstages wurden noch die Straßen mit Kalmus*Gras und Pfingstrosen bestreut, und vor jedem Altar ein kunstvoller bunter Blumenteppich gelegt. Der frische Geruch von Kalmus gehörte auch zum Prangertag.


Die Fronleichnamsprozession, die gelebtes Christentum versinnbildlicht, ging von der Kirche aus an die vier Altäre (in alle vier Himmelrichtungen ausgerichtet), an denen der Pfarrer die Evangelienanfänge von Markus, Matthäus, Lukas und Johannes gelesen, Fürbitten gesprochen und mit dem eucharistischen Brot
der Segen erteilt hat. Der Prozession voraus gingen drei Ministranten mit Kreuz. Dann kamen die Schulkinder und die übrigen Ministranten. Es folgte der `Himmel´ (Baldachin), unter dem der Pfarrer mit der hocherhobenen Monstranz mit dem Allerheiligsten ging. Die Träger waren die Honoratioren oder der Kirchenvorstand aus dem Dorf. Links und rechts neben dem Himmel gingen die Kommunionkinder, die Mädchen mit ihren weißen Kleidern und die Kränzchen im Haar, die Buben mit ihren schönen – meist dunkelblauen - Anzügen. Hinter dem ´Himmel´ gingen Mitglieder des Kirchenchores und die Vereine aus dem Dorf. Anschließend kamen die Männer und, wie immer, am Schluss die Frauen.

Während der Prozession wurde der Rosenkranz gebetet und Kirchenlieder gesungen. Nach dem festlichen Abschluss in der Kirche war es Brauch, dass man sich vom letzten Altar ein paar Birkenzweigerln, die zum Kranz (Wetterkranzl) geflochten wurden, mit heim nahm. Das „Fronleichnamskranzl“ wurde im Herrgottswinkel hinter das Kreuz gesteckt, und sollte vor Unwetter schützen.


Ingrid Stigler

Gaubrauchtumswartin



*Ein schilfartiges Gras, das fast überall an Flussufern, Gräben und Weihern wächst. Der Kalmus war schon im Altertum ein bekanntes Heilmittel. In China hieß er im Kräuterbuch des Kaisers Shen-nung (3700 Jahre vor Christus) "Ch'ang-Pu", der Lebensverlängerer. Im alten Ägypten wurde er "Heiliges Rohr" genannt.