Christi Himmelfahrt (Auffahrt) und Bitttage

Christi Himmelfahrt wird am 40. Tag des Osterfestkreises, also 39 Tage nach dem Ostersonntag gefeiert. Deshalb fällt das Fest immer auf einen Donnerstag. Der frühestmögliche Termin ist der 30. April; der spätestmögliche Termin der 3. Juni. Seit dem Jahr 370 ist bezeugt, dass das Fest der Himmelfahrt Christi gefeiert wird.

Der Feiertag hat sich mittlerweile allerdings für viele eher zum weltlichen „Vatertag“ geändert.

Eines Tages stand Jesus mit seinen Jüngern am Ölberg und erteilt jedem einen Auftrag: „Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“

Er sagte ihnen, dass er nun zu seinem Vater zurückkehren würde und sie ihn nie wieder sehen würden. Sie sollten aber sehen, wie dies geschieht und allen Menschen die frohe Botschaft weitererzählen. Damit sie dafür die Kraft haben, wollte er ihnen seinen Heiligen Geist senden und auf diese Weise bei ihnen sein. Jesus hob seine Hände hoch und verschwand in diesem Moment. Es war, als würde eine Wolke ihn allmählich verhüllen. Darum sahen die Menschen nach oben, so, als wäre Jesus im Himmel über ihnen verschwunden. Da hörten sie eine Stimme, die ihnen sagte, sie sollten nicht länger nach oben schauen, sondern sich im Vertrauen auf Jesus auf den Weg machen und ihren Auftrag erfüllen. Und so machten sie sich staunend und nachdenklich auf nach Jerusalem und warteten dort darauf, dass Jesus ihnen den Heiligen Geist schickte.

Die Bitttage finden immer drei Tage vor Christi Himmelfahrt statt. Die Tradition der Bittgänge (Bittprozessionen) ist sehr alt: Sie entstanden im fünften Jahrhundert in Gallien, wo sie ursprünglich wegen Naturkatastrophen - Erdbeben und Missernten - abgehalten wurden. Zu Beginn des achten Jahrhunderts führte man sie in Rom ein. In einem vatikanischen Text heißt es: "An den Bitt- und Quatembertagen betet die Kirche für die mannigfachen menschlichen Anliegen, besonders für die Früchte der Erde und das menschliche Schaffen."

Bei Wallfahrten und Bittgängen wird nach jedem der fünf Geheimnisse zusätzlich „Dass du die Früchte der Erde geben und erhalten wollest: Wir bitten dich erhöre uns“ eingefügt.

Früher war der gläubige Mensch davon überzeugt, dass der Hände Arbeit allein noch keine gute Ernte garantiert. Man brauche auch den Segen Gottes. Dabei wurden beim Bittgang ein Prozessionskreuz und zwei Kirchenfahnen vorangetragen. Man sagte deshalb: „Mit dem Kreuz gehen“. So entstand auch der Namen „Kreuz“- oder „Bittwoche“.

Ingrid Stigler
Gaubrauchtumswartin


Bild: Eine der berühmtesten Darstellungen der Himmelfahrt:
Das Gemälde von Pietro Perugino (ca. 1450 - 1523), dem Lehrer Raffaels.