An beiden Tagen wird der Verstorbenen gedacht - mit verschiedenen
Schwerpunkten. An Allerheiligen stehen - der Name sagt es - alle
Heiligen (Märtyrer) im Mittelpunkt.
An Allerheiligen werden auch die Gräber auf den Friedhöfen von den
Angehörigen geschmückt, bei Katholiken wird das "Seelenlicht"
entzündet, das auch noch am darauffolgenden Allerseelentag leuchtet. Damit
leitet Allerheiligen allerdings bereits über zu Allerseelen. In vielen
Gemeinden ziehen die Gläubigen am Nachmittag von Allerheiligen oder am
Allerseelentag in Prozessionen zu den Gräbern und halten Fürbittandachten. Am
Abend sind die Gräber vom Licht unzähliger Kerzen erleuchtet. Häufig werden im
Gottesdienst die Namen aller Gemeindeglieder verlesen, die im Verlaufe des
(Kirchen-)Jahrs gestorben sind. Empfohlen ist zudem eine Fürbitte für die
Verstorbenen. Die starke Verwurzelung dieses Tages im Brauchtum ist
verständlich - betrifft er doch die Erinnerung an Menschen der eigenen Familie
oder Verwandtschaft, das Gedenken an Freunde und Nachbarn, denen sich die
Christen über den Tod hinaus verbunden fühlen.
Vom 1. bis zum 8. November
kann täglich einmal der Allerseelenablass für die Verstorbenen gewonnen
werden. Voraussetzung dafür sind echte Bußgesinnung mit dem festen Willen zur
Abkehr von jeder Sünde, kundgetan durch die in diesen Tagen (vor oder auch nach
Allerheiligen) abgelegte sakramentale Beichte und den Empfang der heiligen
Kommunion sowie das Gebet nach der Meinung des Heiligen Vaters, verbunden mit
einem Friedhofsbesuch und mit dem Gebet für die Verstorbenen.
Die Bezeichnung Arme Seelen weist auf den Umstand hin, dass die
im Fegefeuer befindlichen Menschen nicht nur
bis zum Endgericht von ihrem Körper getrennt sind,
sondern auch nichts mehr selbst für ihre Seele, deren Heiligung oder Reinigung,
tun können. Sie sind wie die Armen bzw. Bettler auf der Erde auf die Hilfe
anderer angewiesen. Die Armen Seelen erhoffen, dass die streitende Kirche ihnen durch Fürsprache
und Ablässe hilft und die Barmherzigkeit
Gottes die Leiden ihrer Reinigung
mildert und/oder abkürzt. Arme Seelen , der katholischen Lehre nach die
Seelen der in Gnade verstorbenen Menschen,
die vor der Aufnahme in den Himmel durch die Qualen des Fegefeuers geläutert (gereinigt) werden.
Der 2. November, der Tag nach Allerheiligen, ist allen Armen Seelen gewidmet
und heißt deshalb Allerseelen. Es wurde die Ansicht vertreten, dass die
Aufenthaltsdauer im Fegefeuer durch Gebete und das Lesenlassen von Seelenmessen
verkürzt werden kann.
Für die "Armen Seelen" wurden * Seelenzöpfe oder Seelenbrezen
aus Hefe- oder Blätterteig gebacken. Die drei Zopfstränge erinnern an die
Heilige Dreifaltigkeit und das Ineinanderschlingen symbolisiert die Ewigkeit. In
der Oberpfalz und in Schwaben ist es bis heute noch üblich, dass Paten für Ihre
Patenkinder „Seelenspitzln“ oder „Seelenzöpfe“ backen.
In den Tagen von „Allerheiligen“ und „Allerseelen“
wird uns mit dem Blick auf die Gräber unserer Verstorbenen bewusst, wie
vergänglich unser Leben auf Erden ist. „Wir sind nur Gast auf Erden“, heißt es
in einem bekannten Lied. Angesichts des Todes besteht eine grundlegende Gleichheit
aller Menschen. Reiche und Arme, Gerechte und Ungerechte – alle müssen
einmal sterben, zu einer Stunde, die sie nicht selbst bestimmt haben und die
allein Gott der Herr im voraus kennt!
Im Übrigen gehen Allerheiligen und Halloween auf vorchristliches
Brauchtum zurück. Es war ein Fest - nicht nur der Kelten! -, auf dem große
Feuer die Nacht von Ort zu Ort erhellten, um den Geistern und Seelen der Toten
nahe zu sein, sie zu beschwören und zu besänftigen. Auch um sie zu wärmen für
den anstehenden Winter. Dort, wo Geister sich zu dreist benahmen, vermummten
sich die Lebenden, um sie zu erschrecken. Und so kommt es, dass wir noch heute
unsere Verstorbenen besuchen. Wir schmücken die Gräber mit Blumengirlanden und
Kränzen und zünden Lichter und Laternen an.
Das protestantische Pendant zum katholischen Allerseelentag ist der Ewigkeitssonntag,
der den Sonntag vor dem 1. Advent belegt. An diesem letzten Sonntag vor dem
Advent, begehen Katholiken wiederum das Christkönigsfest
(Christkönigssonntag).
Bauernregeln:
Hat
Allerheiligen Sonnenschein, wird St. Martin kälter sein.
Novemberschnee
tut Saaten weh.
Ingrid Stigler,
Brauchtumswartin im Isargau