Allerheiligen und Allerseelen

An beiden Tagen wird der Verstorbenen gedacht - mit verschiedenen Schwerpunkten. An Allerheiligen stehen - der Name sagt es - alle Heiligen (Märtyrer) im Mittelpunkt.

An Allerheiligen werden auch die Gräber auf den Friedhöfen von den Angehörigen geschmückt, bei Katholiken wird das "Seelenlicht" entzündet, das auch noch am darauffolgenden Allerseelentag leuchtet. Damit leitet Allerheiligen allerdings bereits über zu Allerseelen. In vielen Gemeinden ziehen die Gläubigen am Nachmittag von Allerheiligen oder am Allerseelentag in Prozessionen zu den Gräbern und halten Fürbittandachten. Am Abend sind die Gräber vom Licht unzähliger Kerzen erleuchtet. Häufig werden im Gottesdienst die Namen aller Gemeindeglieder verlesen, die im Verlaufe des (Kirchen-)Jahrs gestorben sind. Empfohlen ist zudem eine Fürbitte für die Verstorbenen. Die starke Verwurzelung dieses Tages im Brauchtum ist verständlich - betrifft er doch die Erinnerung an Menschen der eigenen Familie oder Verwandtschaft, das Gedenken an Freunde und Nachbarn, denen sich die Christen über den Tod hinaus verbunden fühlen.

Jährliche Gedenktage für Verstorbene - seien es Märtyrer, Heilige oder "Normalsterbliche" - gab es bereits im antiken Christentum. Seit dem 9. Jahrhundert hat dieses Gedenken ein festes Datum: Allerheiligen wird am 1. November begangen. 998 legte dann Odilo von Cluny die Allerseelenfeier für den 2. November fest, die Mönche von Cluny verbreiteten das Fest im 11. Jahrhundert, in Rom wurde es erstmals im 14. Jahrhundert gefeiert. Vorher war dieses Gedenkfest an die Toten im Osterfestkreis angesiedelt.

 

Vom 1. bis zum 8. November kann täglich einmal der Allerseelenablass für die Verstorbenen gewonnen werden. Voraussetzung dafür sind echte Bußgesinnung mit dem festen Willen zur Abkehr von jeder Sünde, kundgetan durch die in diesen Tagen (vor oder auch nach Allerheiligen) abgelegte sakramentale Beichte und den Empfang der heiligen Kommunion sowie das Gebet nach der Meinung des Heiligen Vaters, verbunden mit einem Friedhofsbesuch und mit dem Gebet für die Verstorbenen.

Die Bezeichnung Arme Seelen weist auf den Umstand hin, dass die im Fegefeuer befindlichen Menschen nicht nur bis zum Endgericht von ihrem Körper getrennt sind, sondern auch nichts mehr selbst für ihre Seele, deren Heiligung oder Reinigung, tun können. Sie sind wie die Armen bzw. Bettler auf der Erde auf die Hilfe anderer angewiesen. Die Armen Seelen erhoffen, dass die streitende Kirche ihnen durch Fürsprache und Ablässe hilft und die Barmherzigkeit Gottes die Leiden ihrer Reinigung mildert und/oder abkürzt. Arme Seelen , der katholischen Lehre nach die  Seelen der in Gnade verstorbenen Menschen, die vor der Aufnahme in den Himmel durch die Qualen des Fegefeuers geläutert (gereinigt) werden. Der 2. November, der Tag nach Allerheiligen, ist allen Armen Seelen gewidmet und heißt deshalb Allerseelen. Es wurde die Ansicht vertreten, dass die Aufenthaltsdauer im Fegefeuer durch Gebete und das Lesenlassen von Seelenmessen verkürzt werden kann.          

Für die "Armen Seelen" wurden * Seelenzöpfe oder Seelenbrezen aus Hefe- oder Blätterteig gebacken. Die drei Zopfstränge erinnern an die Heilige Dreifaltigkeit und das Ineinanderschlingen symbolisiert die Ewigkeit. In der Oberpfalz und in Schwaben ist es bis heute noch üblich, dass Paten für Ihre Patenkinder „Seelenspitzln“ oder „Seelenzöpfe“ backen.

 

In den Tagen von „Allerheiligen“ und „Allerseelen“ wird uns mit dem Blick auf die Gräber unserer Verstorbenen bewusst, wie vergänglich unser Leben auf Erden ist. „Wir sind nur Gast auf Erden“, heißt es in einem bekannten Lied. Angesichts des Todes besteht eine grundlegende Gleichheit aller Menschen. Reiche und Arme, Gerechte und Ungerechte – alle müssen einmal sterben, zu einer Stunde, die sie nicht selbst bestimmt haben und die allein Gott der Herr im voraus kennt!

Im Übrigen gehen Allerheiligen und Halloween auf vorchristliches Brauchtum zurück. Es war ein Fest - nicht nur der Kelten! -, auf dem große Feuer die Nacht von Ort zu Ort erhellten, um den Geistern und Seelen der Toten nahe zu sein, sie zu beschwören und zu besänftigen. Auch um sie zu wärmen für den anstehenden Winter. Dort, wo Geister sich zu dreist benahmen, vermummten sich die Lebenden, um sie zu erschrecken. Und so kommt es, dass wir noch heute unsere Verstorbenen besuchen. Wir schmücken die Gräber mit Blumengirlanden und Kränzen und zünden Lichter und Laternen an.

Das protestantische Pendant zum katholischen Allerseelentag ist der Ewigkeitssonntag, der den Sonntag vor dem 1. Advent belegt. An diesem letzten Sonntag vor dem Advent, begehen Katholiken wiederum das Christkönigsfest (Christkönigssonntag).

Bauernregeln:

Hat Allerheiligen Sonnenschein, wird St. Martin kälter sein.

Novemberschnee tut Saaten weh.

 

Ingrid Stigler, Brauchtumswartin im Isargau